Freitag, 7. August 2009
Hector Berlioz / von Otter
Der Tagesspiegel schrieb:"Die Jubelstürme in der Deutschen Oper erringt Anne Sofie von Otter mit den eher schlichten, ganz nach innen genommenen „Nuits d’été“ von Hector Berlioz. Wenig ist hier von Sommernächten die Rede, in denen die Liebe blüht, vielmehr von Verlust und Tod, von der Flüchtigkeit und Zerbrechlichkeit des Glücks. Diese Ambivalenz lässt von Otter in jedem Ton spüren: Wenn in der koketten „Villanelle“ das „für immer“ nachdenklich verklingt, wenn im zweiten Gesang auf dem noch ganz irdisch gemeinten Wort „Paradies“ die Stimme schon jene Piano-Transzendenz erhält, die erst später jenseitige Sehnsüchte besingen soll, wenn selbst bei der neuen Eroberung zum Schluss bereits Melancholie der nächsten Trennung mitschwingt. Mit unendlicher Ruhe formt die Sängerin weit ausschwingende Bögen, nimmt sich vor allem für Abschlüsse viel Zeit, und nur selten wirkt ihr kostbares Rosenholz-Timbre ein wenig matt.!
Hector Berlioz / von Otter

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Hector Berlioz: Les Nuits D'été (4.) (5.) (6.)
Alle Texte (1. - 6.) Pierre-Jules-Théophile Gautier (1811-1872) ( https://www.recmusic.org/lieder/g/gautier/ )

Absence


Come back, come back, my dearest love!
Like a flower far from the sun,
The flower of my life has drooped,
removed from the charm of your smile.

Between our hearts how long a distance!
What a wide space our kisses divide!
O bitter fate! O cruel absence!
O longing vain, unsatisfied!

To that far land where dwells my love,
Alas! if I could only go!
If wings were tied to my body,
As to my soul, then I would fly!

Far away, above the green hill tops,
The lofty mountains with peaks of blue,
The meadows gay, the babbling rivers,
With quick, sure wing I'd take my flight!

The body can't keep up with thought!
With me the spirit goes ahead,
Just like a poor dove that is wounded
And lights on the roof of his cot.




And say, my soul, to my sweetheart:
O my own dove! fly with all swiftness,
Back to the nest hallowed with love!
You know well that he counts the days!

Auf dem Friedhofe

Kennst du das Grab mit weissem Steine,
d'ran die Cypresse sich erhebt,
und leise bebt?
Von dem Baum im Abendscheine
singt ein Vöglein den Grabgesang,
seufzend und bang.

Sie tönt zart und trüb, diese Weise
dringt voll Lust und voll bott'rem Schmerz
tief in dein Herz,
bannet dich fest in Zauberkreise;
solch Lied trägt wohl zum Himmelstor
Engel empor.

Dann gesellt in des Grabes Tiefe
weinend die Seele dem Vögelein
sich im Verein,
klagt, daß sie hier vergessen schliefe,
daß keine Zähre ihr auf's Grab
rinnet herab.

Auf den Flügeln bebender Töne
aufstiegt mit erzitterndem SChwung
Erinnerung
Vor dir schwebt in himmlischer Schöne,
leuchtend in schanken Strahles Licht,
ein Traumgesicht.

Nachtschatten die kaum halb erschlossen,
füllen rings umher lind die Kuft
mit süßem Duft,
und das Phantom, strahlenumflossen,
singt leis breitend den Arm nach dir:
Komme zu mir!

Oh! nimmermehr geh ich zum Grabe,
wenn sich nahet die Abendzeit,
im dunklen Kleid,
seit dem Lied gelauschet ich habe,
das von der Cypresse erklang
so trüb und bang!






Say, young beauty, where do you wish to go?


Say, young beauty,
Where do you wish to go?
The sail swells itself,
The breeze will blow.
The oar is made of ivory,
The flag is of silk,
The helm is of fine gold;
I have for ballast an orange,
For a sail, the wing of an angel,
For a deck boy, a seraph.

Say, young beauty,
Where do you wish to go?
The sail swells itself,
The breeze will blow.

Is it to the Baltic?
To the Pacific Ocean?
To the island of Java?
Or is it well to Norway,
To gather the flower of the snow,
Or the flower of Angsoka?
Say, young beauty,
Where do you wish to go?
Lead me, says the beauty,
To the faithful shore
Where one loves always!
This shore, my darling,
We hardly know at all
In the land of Love.
Hector Berlioz: Les Nuits D'été (4.) (5.) (6.)

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Hector Berlioz: Les Nuits D'été (3.)
Hector Berlioz: Les Nuits D'été (3.)

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Hector Berlioz: Les Nuits D'été (2. Le spectre de lo rose)


Der Geist der Rose


Blick auf, die du in Traumes Schoße
die seid'ne Wimper niederschlugst,
blick auf, ich bin der Geist der Rose,
die auf dem Ball du gestern trugst.

Kaum gepflückt hast du mich empfangen,
von Perlen noch des Tau's bekränzt,
und des Nachts bei Festesprangen
hab an deiner Brust ich geglänzt.

O du, die schuld an meinem Lose,
die mir Tod gegeben hat,
allnächtlich kommt der Geist der Rose,
tanzet um deine Lagerstatt;

doch sei nicht bang daß Ruh mir fehle,
daß Totenmessen mein Begehr;
dieser Dufthauch ist mein Seele,
und aus Eden komm' ich her.

Süß war, wie mein Leben, mein Scheiden,
für solch ein Los ist Tod Gewinn,
manch Herz mag mein Geschick beneiden,
an deinem Busen starb ich hin,

und auf mein Grab schrieb mit Liebgekose
eines Dichtermundes herz-inniger Kuß:
Hier ruht eine Rose,
die jeder König neiden muß.
Hector Berlioz: Les Nuits D'été (2. Le spectre de lo rose)

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Hector Berlioz: Les Nuits D'été (1: Villanelle)


Villanelle


Wenn die Jahreszeit wechselt,
und das kalte Wetter gewichen ist,
dann wollen wir beide zusammen, meine Schöne,
in den Wald gehen um Maiglöckchen zu pflücken.

Unter unseren Schritten fallen die Tautropfen ab,
die man im Morgenlicht zittern sieht.
wir werden gehen und die Amseln hören,
wie sie singen.

Der Frühling ist gekommen, meineSchöne,
die glückliche Jahreszeit für Verliebte;
und der Vogel, der sein Gefieder putzt,
Singt seine Lieder vom Rand des Nestes.

O setz dich doch zu mir auf die Moosbank,
daß wir über unsere glückliche Liebe sprechen,
und sag mit deiner sanften Stimme:
Immer!

Weit, sehr weit tragen uns unsere Schritte,
der aufgeschreckte Hase läuft davon,
und ebenso der Hirsch, der sein prächtiges
Geweih im spiegelnden Bach bewundert.

Glücklich und zufrieden kehren wir dann nach
Hause, mit verschlungenen Fingern,
tragen Körbe gefüllt mit
Walderdbeeren.
Hector Berlioz: Les Nuits D'été (1: Villanelle)

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